Die Heizungstechnik entwickelt sich weiter. Digitale Steuerungen ermöglichen eine immer genauere Regelung, moderne Gasheizungen sind teilweise bereits auf den Einsatz von Wasserstoff vorbereitet und mit Biomethan steht ein erneuerbarer Energieträger zur Verfügung, der über die bestehende Gasinfrastruktur transportiert werden kann. Im dritten Teil unserer Blogserie erklärt gasuf-Kundenberater Burkhard Lesch, welche Entwicklungen für die Wärmeversorgung der Zukunft eine Rolle spielen könnten.
Die Heizung wird digitaler
Heizungen lassen sich heute längst nicht mehr nur über einen Regler im Heizungsraum oder an der Wand bedienen. Smarte Steuerungen ermöglichen es beispielsweise, Temperaturen per Smartphone oder Tablet anzupassen und Zeitprogramme für die Warmwasserbereitung oder die Zirkulationspumpe einzustellen. Auch von unterwegs können Änderungen vorgenommen werden.
Darüber hinaus lässt sich der Betriebszustand verschiedener Komponenten überwachen. Dazu gehören beispielsweise Pumpen, Zirkulation oder Brenner. Bei Störungen können Nutzer zeitnah informiert werden, je nach System ist zudem eine Fernwartung durch den Fachbetrieb möglich.
„Mit smarter Technik lässt sich der Betrieb der gesamten Anlage optimieren“, erklärt Burkhard Lesch. Voraussetzung sei allerdings, dass die Möglichkeiten der Technik sinnvoll genutzt werden. Ein gewisses technisches Interesse und Verständnis könne dabei hilfreich sein.
Auch bestehende Heizungsanlagen können teilweise mit smarter Technik nachgerüstet werden. Dadurch lassen sich Betriebsabläufe bedarfsgerechter steuern und Verbrauchsdaten kontinuierlich überwachen.
Wenn im Haus verschiedene Systeme zusammenspielen
Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte Home Energy Management Systeme, kurz HEMS. Sie können unterschiedliche Energieerzeuger und -verbraucher im Gebäude miteinander vernetzen. Dazu können beispielsweise eine Photovoltaikanlage, die Heizung, ein Stromspeicher, Haushaltsgeräte oder ein Elektroauto gehören.
Das Energiemanagement koordiniert, wann die erzeugte Energie möglichst sinnvoll eingesetzt wird. Produziert die Photovoltaikanlage beispielsweise gerade viel Strom, kann dieser – abhängig von der vorhandenen Technik – für die Wärmeerzeugung genutzt oder gespeichert werden. Steht nicht ausreichend Solarstrom zur Verfügung, kann die Gasheizung die Wärmeversorgung übernehmen und so insbesondere in den Wintermonaten zu einer zuverlässigen Versorgung beitragen. Die digitale Heizungssteuerung wird damit zunehmend Teil eines umfassenderen Energiemanagements im Gebäude.
Was bedeutet H₂-ready?
Neben der Digitalisierung spielt auch die Frage eine Rolle, mit welchen Energieträgern Gasheizungen künftig betrieben werden können. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff „H₂-ready“.
Damit werden Gasheizungen bezeichnet, die technisch dafür ausgelegt sind, neben Erdgas auch Wasserstoff beziehungsweise Gasgemische mit Wasserstoff zu nutzen. Welche Wasserstoffanteile möglich sind und welche Voraussetzungen dafür gelten, hängt von der jeweiligen technischen Auslegung und vom Hersteller ab.
Ob und in welchem Umfang Wasserstoff künftig tatsächlich für die Wärmeversorgung von Gebäuden eingesetzt wird, lässt sich heute allerdings noch nicht abschließend beurteilen. Dafür sind nicht nur die Heizgeräte entscheidend. Eine wichtige Rolle spielen auch die Verfügbarkeit von Wasserstoff, der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur und die zukünftige Wirtschaftlichkeit.
Biomethan kann bestehende Infrastruktur nutzen
Eine weitere Möglichkeit für die zukünftige Wärmeversorgung ist Biomethan. Ein wesentlicher Vorteil: Der erneuerbare Energieträger kann über die vorhandene Gasinfrastruktur bereitgestellt werden. Bestehende Netze können damit grundsätzlich weiter genutzt werden, während sich gleichzeitig der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung erhöhen lässt.
Gerade mit Blick auf den Gebäudebestand sieht Lesch deshalb weiterhin mögliche Einsatzfelder für Gasheizungen: „Nach meiner persönlichen Einschätzung kann die Gasheizung vor allem im Altbestand weiterhin als Hybridlösung und mit einem schrittweisen Einsatz von Biomethan eine sinnvolle und wirtschaftliche Lösung sein“, sagt der gasuf-Kundenberater.
Damit knüpft die Entwicklung auch an die Hybridlösungen an, die wir im zweiten Teil unserer Blogserie vorgestellt haben: Statt ausschließlich auf einen einzelnen Wärmeerzeuger oder Energieträger zu setzen, können verschiedene Technologien und erneuerbare Energien miteinander kombiniert werden.
Wie heizen wir in zehn Jahren?
Eine eindeutige Antwort darauf möchte auch Lesch nicht geben. Zu schnell entwickeln sich derzeit politische Rahmenbedingungen und technische Möglichkeiten. Welche Technologien und Energieträger sich langfristig durchsetzen, hängt von zahlreichen Faktoren ab.
Fest steht jedoch: Die Weiterentwicklung der Wärmeversorgung betrifft nicht allein das Heizgerät. Digitalisierung und intelligente Steuerung, die Kombination unterschiedlicher Technologien sowie die Entwicklung erneuerbarer Energieträger verändern das gesamte System.
Für die Gasheizung könnte sich damit insbesondere im Gebäudebestand eine neue Rolle ergeben – als Bestandteil hybrider Lösungen und in Verbindung mit Energieträgern wie Biomethan oder perspektivisch Wasserstoff. Welche Möglichkeiten sich im Einzelfall anbieten, wird dabei auch künftig von den technischen Voraussetzungen des Gebäudes und den weiteren Entwicklungen auf dem Energiemarkt abhängen.
